| New York, New York, New York Drei Literaturtipps von Robert Kötter »Falling Man« von Don DeLillo, »Die Leiden eines Amerikaners« von Siri Hustvedt und »Netherland« von Joseph O'Neill Drei Bücher über New York nach dem 11. September, drei Meisterwerke der feinsinnigen psychologischen Betrachtung und der Sprache. So unterschiedlich die Geschichten verlaufen – O'Neills Buch etwa handelt von der irrwitzigen Idee, ein Cricket-Stadium im Big Apple zu bauen, während Siri Hustvedt viele Zeitebenen übereinander legt und die Geschichte eines einsamen Psychologen erzählt – so gibt es doch viele Parallelen: Protagonisten sind Männer, die sich mit den Trennungen von ihren Frauen zurecht finden, die am Trauma des erlebten Terrorismus laborieren, die durch die Stadt und ihre Erinnerungen flanieren. Dabei ist Don DeLillo in der ihm eigenen Rhythmik der Worte am engsten an den Ereignissen von 2001 angelehnt: Die Hauptfigur von »Falling Man« erlebt den Anschlag in einem der Zwillingstürme, und die Glassplitter, die in seinem Gesicht stecken, sind wie die tiefen Einschnitte, die das Angesicht der Stadt verändert haben. Er wird selber zu einem Gefallenen. Siri Hustvedt, die wie in dem genialen »Was ich liebte« einen männlichen Ich-Erzähler gewählt hat, verschränkt norwegische Familiengeschichte mit zeitgenössischer Kunst, Psychologie und der unerfüllten Liebe zur jüngeren Nachbarin.
Deren exzessiver Fotographen-Freund überschreitet jede Grenze, und seine manischen Collagen-Ausstellungen spiegeln den Ansatz der Autorin, verschiedenen Perspektiven und Geschichten übereinander zu legen. In »Netherland«, das noch nicht auf Deutsch erschienen ist, führen lange Autofahrten den Erzähler Hans van der Broek mit seinem neuen Freund Chuck Ramkissoon durch die Bezirke von New York.
Es lohnt sich, eine große Straßenkarte parat zu haben, um die Schauplätze zu verfolgen und den Traum vom Cricketfeld in der von Baseball faszinierten Nation nach zu vollziehen.Alle drei Romane handeln von einer Stadt, die sich selber neu erfinden muss, vom Leben nach den Anschlägen und der Vielfalt menschlicher Tragödien. Drei Romane, die sich nicht an konventionelle Erzählstrategien halten und gerade deswegen besonders lesenswert, ja erschütternd sind. »While we waited for cabs, we looked downtown, and I know we both thought not about what was there, but about what wasn't, and neither of us said a word as we gazed at the empty sky above lower Manhattan« schreibt Hustvedt gegen Ende ihres Buches und es ist tatsächlich das Betrachten von etwas, das nicht da ist, mit dem alle drei Romane ringen, ein sprachliches Kreisen um das Unbegreifliche.
Deutsch von Frank Heibert Kiepenheuer & Witsch 2007, 304 Seiten ISBN 3-462-03920-2 Siri Hustvedt: Die Leiden eines Amerikaners Deutsch von Uli Aumüller und Getraude Krueger Rowohlt Verlag 2008, 416 Seiten ISBN 3-498-02985-1 Joseph O'Neill: Netherland, engl. Pantheon 2008, 272 Seiten ISBN 0-307-37704-0 |

Dabei ist Don DeLillo in der ihm eigenen Rhythmik der Worte am engsten an den Ereignissen von 2001 angelehnt: Die Hauptfigur von »Falling Man« erlebt den Anschlag in einem der Zwillingstürme, und die Glassplitter, die in seinem Gesicht stecken, sind wie die tiefen Einschnitte, die das Angesicht der Stadt verändert haben. Er wird selber zu einem Gefallenen.
Siri Hustvedt, die wie in dem genialen »Was ich liebte« einen männlichen Ich-Erzähler gewählt hat, verschränkt norwegische Familiengeschichte mit zeitgenössischer Kunst, Psychologie und der unerfüllten Liebe zur jüngeren Nachbarin.
Deren exzessiver Fotographen-Freund überschreitet jede Grenze, und seine manischen Collagen-Ausstellungen spiegeln den Ansatz der Autorin, verschiedenen Perspektiven und Geschichten übereinander zu legen.
In »Netherland«, das noch nicht auf Deutsch erschienen ist, führen lange Autofahrten den Erzähler Hans van der Broek mit seinem neuen Freund Chuck Ramkissoon durch die Bezirke von New York.
Es lohnt sich, eine große Straßenkarte parat zu haben, um die Schauplätze zu verfolgen und den Traum vom Cricketfeld in der von Baseball faszinierten Nation nach zu vollziehen.