Ein Jahr lang haben wir zirka alle zwei Wochen Zeitetüden veröffentlicht.

Wir haben gefragt, wer die Zeit in Gang hält [11] und wie lang eine Minute ist [3], was Zeitvertreib
[4] [12] ist und das Warten [9]. Wir haben erfahren, dass auch bei der Zeit das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile [2], wie lang ein Moment ist und wie er klingt [14], was der Geruch des Frühlings [8], die Handschuhe meiner Großmutter [5], die Belichtung eines Photos [13] mit dem Thema Zeit zu tun haben. Wir haben uns mit den Maßstäben der Zeit beschäftigt und dabei erfahren, dass sich auch in einem Leben ohne Sekundenzeiger über die beschleunigte Zeit fluchen lässt [18]. Wir haben Jung und Alt gesehen [20] und haben Dichtern wie Morgenstern, Uhland, Rilke, Storm, Lessing und Dauthendey zugehört. Wir haben über die Zeitumstellung [24] geschimpft, aber den Sommer [16] und die Urlaubszeit [17] genossen.

Wir haben uns gefragt, ob die Zeit sich dehnen lässt [19] und erfahren, dass es wirklich möglich ist [21]. Wir hatten auch mal keine Zeit [26], und dann haben wir gelernt, wie wir die Zeit vergessen können [27].

Große Antworten haben wir nicht gefunden, da geht es uns wie dem Philosophen Augustinus, der 400 n. Chr. in seinen Confessiones den berühmten Satz schrieb: »Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich es; wenn ich es jemand auf seine Frage hin erklären will, weiß ich es nicht.«

Deutlich ist uns geworden, wieviel Leben in der Zeit steckt, dass sie in ihrem Lauf einem Kaleidoskop von Farben und Aspekten gleich unser Leben bereichert, wenn wir unserer Aufmerksamkeit erlauben, es wahrzunehmen.

Wir haben, ganz ohne Anspruch auf Neuigkeitswert, wiederholt erfahren, dass es uns immer dann gelingt, genau in der Zeit, in der wir leben, mit der Zeit, in der wir leben, gut zu leben wenn wir uns entweder die Zeit nehmen, kleine Lebenseinheiten wie eine Minute, ein Gedicht, eine Blume, etc. bewusst wahrzunehmen, oder wenn wir ganz im Gegenteil in Momenten der Konzentration die Zeit einfach völlig vergessen.

Zeit kann eine Autobahn sein, die an uns vorbeirast oder ein Schiff, mit dem wir reisen.

Wir haben einige Zeitreisen unternommen in diesem Jahr, sind mit Herrn Wells Zeitmaschine gereist [1], haben nach vorne geblickt [6] und uns gefragt, ob alles besser wird [22], und wie es wäre, wenn es keine Zukunft gäbe [7], haben uns mit Ohrinnerungen [10], Zeitlinien [25], Gedichten und Bildern in unsere Vergangenheit und mögliche Zukünfte begeben.


 

 

 

 

 

 







 

 

Eine letzte Zeitreise steht noch aus. Es ist die Reise in den Raum.

Schauen Sie in den Himmel!

Es ist Winter, vermutlich sehen Sie – wenn überhaupt – die Sonne als einen blassen Lichtball hinter einer Schicht von Wolken. Was sehen Sie?

Sie sehen (in) die Vergangenheit.

Die Sonne ist von der Erde zirka acht Lichtminuten entfernt. Das Licht, das von ihr zur Erde dringt, ist also acht Minuten alt. Unser Bild der Sonne ist eines, dass es bereits seit acht Minuten nicht mehr gibt.




 

 

Je tiefer wir in den Raum schauen, desto weiter schauen wir in die Vergangenheit. Bis zum Neptun sind es schon vier Lichtstunden.

Ein Lichtjahr sind etwa 9,5 Billionen Kilometer und mit bloßem Auge können wir Sterne sehen, die bis zu 1000 Lichtjahre (also 1000 x 9,5 Billionen Kilometer) entfernt sind. Wenn Sie in einer sternenklaren Nacht in den Himmel schauen, können Sie tausend Jahre in die Vergangenheit blicken. Die Entfernung zum Andromeda-Nebel, der nächsten größeren Galaxie, beträgt über 2 Millionen Lichtjahre. Moderne Teleskope können so tief in den Raum schauen, dass sie bis zu den Anfängen unseres Universums vor- bzw. zurückdringen.

Und da gibt es Menschen, die behaupten, Zeitreisen seien nicht möglich!

Vielleicht haben Sie die Gelegenheit und können sich einmal zwischen den Tagen die Zeit nehmen, in den Himmel zu schauen, hinein in die Zeit und hinein in die Tiefe des Raums.

Wir wünschen Ihnen weiterhin eine gute Zeit, kommen Sie gut ins neue Jahr!

»Dann traten wir hinaus und sahen die Sterne.«
(Dante, Die göttliche Kommödie)