Sophia 2015 – agile takte

Vorabend, große Runde, Kulturstätten und Esstempel, gepflegte Speisen, diverse Kontakte, lebendige Gespräche, kurzweiliger Abend – zufrieden.

Erster Tag, Ankommen auf der Praterinsel, überraschend andere Lokation, Irritation, Abbruchcharakter, keine Türen, Graffiti und Mauerbrocken, Aufputzleitungen, chaotisches Ambiente, Freiraum erkennen, Einlassen wollen, Horizont erweitern, Vielfalt nutzen, erfreulich anders, spannende Workshops, von Gefühlen, Beteiligungsprozessen und Flüchtlingskrisen, Stadtentwicklung in Scrum-Logik mit einem Koffer voll Lego, Improtheater vom Feinsten mit Ulan & Bator, volle Aufmerksamkeit, kurzweilig, humorvoll und überraschend, Farbspiele und wunderbares Dinner, Ausklang mit Tangoimpressionen – beflügelt…

Zweiter Tag – Kontrastprogramm, CityBound in der AllianzArena, Back to the roots, klassische Tagungsatmosphäre, Kissen statt Stühle, Gespräch mit dem Orchestervorstand der Münchner Philharmoniker, Hierarchie und Demokratisierung, inspirierende Workshops, von Persönlichkeiten, Cyclic Intelligence bis hin zu Tribes, voller Spannung aufbrezeln, luftiges Abendessen in der Sky-Bar, Interview mit dem Intendanten der Münchner Philharmoniker Paul Müller, große Vorfreude, vibrierendes Eröffnungskonzert, weiter geht’s in den Martini Club, Cocktails und Tanz – verzaubert…

Mitten in der Nacht, zurück im Hotel, Ausklang an der Bar, erschütternde Nachrichten aus Paris, aus der Traum, todmüde und hellwach – verstört…

Letzter Tag – Trotz allem Start im Hotel, agile Transformation im Eröffnungsplenum, von Ansprüchen und Wirklichkeiten, Trends und Bodenhaftung, Ortswechsel Richtung Gasteig, Warten auf den Maestro, beeindruckender Valery Gergiev, innere Motivation, kraftvolle Agilität, ein Leben voller Musik, fern und doch so nah, Jazz und Beteiligung, im Konzert offiziell daddeln, Abschlussplenum voller Dankbarkeit, Lust auf mehr, frische Luft und Abstand, Genuss in der Umgebung, jetzt erst recht, zwei Konzerte am Abend, gehaltvoll und leicht, Andreas Hofmeir an der Tuba, ein gelungenes Crossover, großartiger Till Brönner meets MPhil, atemberaubend, die Sinne geschärft, die Körper wippen im Takt, Improvisation und Perfektion, die Luft brennt, das Publikum enthusiastisch, und wir – völlig beseelt…

Und was bleibt – Warten auf die Sophia 2016!

 

Renate Standfest

»Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist«

»Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, spielt weiter!«
(William Shakespeare)

Die SophiaWerkstatt bedeutet uns viel

Ein Symbol des Kreierens, der Geselligkeit und Ausgelassenheit, des gemeinsamen Weiterbildens. Bildung, das Wesen der Aufklärung. Die Räume, in denen wir uns auf der diesjährigen Sophia bewegen, können unterschiedlicher nicht sein. Das Haus 3 der Praterinsel, abgerockt bohème, das 4-Sterne-Hotel, konventionell gediegen, der Konzertsaal, holzig bürgerlich, die Arena, aufregend nüchtern. Die Räume haben Farben, die sich als Gefühl in uns ausbreiten. Den selben Raum erlebt der eine Mensch als milchig warm und der andere als kristallblau. In diesem Moment treffen wir aufeinander.

Mittels Improvisationstheater zeigen uns Ulan & Bator aka Sebastian Rüger und Frank Smilgies: der Geist ist Energie, und wir können sie steuern. Wir lernen von ihnen zu spielen, einander zu achten, sich zu erden, und zugleich dem Gegenüber Aufmerksamkeit zu schenken. Die eigenen Auffassungen, Positionen und Positionierungen – und zugleich die der anderen – bewusst wahrnehmen und verstehen und ihnen aktiv begegnen.

Das Sophia-Programm ist abwechslungsreich, agil, kreativ. In Workshops zu Effectuation, Person und Persönlichkeit, Gefühle in Gruppen, Beteiligung, Cyclic Intelligence, Tribes und im Scrum-Planspiel lernen wir neue Dimensionen des Agilitätsbegriffs kennen. Und erfahren, dass agile Arbeitsmethoden nicht unmittelbar agiles Handeln hervorrufen.

Eine unfassbare Mischung geschichtsträchtiger und monumentaler Kompositionen

Am 13. November 2015 sitzen wir abends im Konzertsaal der Münchner Philharmoniker. Das Orchester durchflutet den Raum mit Klängen von Schönberg, Skrjabin, Wagner. Eine unfassbare Mischung geschichtsträchtiger und monumentaler Kompositionen. Gergievs entschlossene Zurückhaltung wirkt unerwartet berauschend. Zum selben Zeitpunkt wird in das Herz aufgeklärter Milieus getroffen. Wir sind in Trauer, voll Bitterkeit, Erschütterung. Noch vor jeder wirklichen Erkenntnis beginnt die Welt mit Positionierungen, Diagnosen und Schuldzuweisungen. Adorno sagt, die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.

Die Entwicklung von Menschen und Organisationen braucht Lernformen, die Perspektiven öffnen und Standpunkte verschieben. Sie braucht wissbegieriges Staunen und ehrliche Freude an Anderen. Mit der Sophia positionieren wir uns und nutzen wir die ganze Breite kultureller Möglichkeiten, um lebendiges Lernen zu gestalten. Kultur und Kunst ermöglichen Erkenntnis.

Sophia heißt Weisheit

Unsere Leben sind geprägt von Freiheit, auch wenn sie uns jetzt nicht schützen kann. Wir verpflichten uns dem Humanismus, Wir lassen uns nicht betäuben. Ob in Unternehmen, im Freundeskreis, in der Familie, in mir. Es sollen Räume entstehen, in denen wir Freude, Scham, Furcht, alle Gefühle benennen dürfen, so dass Sinn und Geist für Gemeinschaft entsteht. Wir lassen uns nicht beschämen. Die Sophia bekommt in diesen Tagen die neue Bedeutungsebene der Solidarität.

Hanna Göhler