mich wundert.

Mich wundert: Einerseits berichten die Krankenkassen über einen kontinuierlich starken Anstieg psychischer Erkrankungen bei Arbeitnehmer*innen, anderseits überschlagen sich in den sozialen Medien Erfolgsmeldungen über die neue, menschenorientierte Führung, über Augenhöhe zwischen den Hierarchien, über Freiheit, Selbstbestimmtheit, über Fortschritte in der Demokratisierung der Arbeitswelt, der gelingenden Inklusion und so viel Gutes mehr. Es liest sich, als habe sich der Arbeitsplatz zu einem Ort des offenen Diskurses, der Wertschätzung und des sinnerfüllten Lebens verwandelt.

Wie passt das zusammen?

Es passt nicht! Die Realität sieht sehr oft anders aus. Ich glaube, wir Berater*innen, HR’ler*innen sollten beginnen, verbal abzurüsten, sollten näher an der Realität bleiben, wo unsere Freude über die Erfolge und Fortschritte bei der Ermöglichung neuer Arbeitswelten hart auf das genaue Gegenteil stößt: wo weiterhin Furcht und Angepasstheit, Scham und »es recht machen wollen« sehr verbreitet sind. Ohne eine nötige verbale Abrüstung werden wir unsere Glaubwürdigkeit verlieren und uns zwar in unserer Blase feiern können, aber als Preis auch Wirksamkeit verlieren.

Rüdiger Müngersdorff
Foto: Sean Paul Kinnear, unsplash.com

Was arbeitest du?

Der typische Ruhri ist ein Sprach- und Sprechökonom. Er benutzt gern Einwortsätze. Interpunktion und Grammatik sind Sache des Gefühls und nicht der Regel. Die Buchstaben S und T liegen im Alphabet so nah beieinander, dass er sie so einsetzt, wie es ihm gerade passt und nicht nach Politischer Korrektheit. Er trägt sein Herz auf der Zunge, macht also keinen Unterschied zwischen Impuls und Handlung und sagt direkt, wenn ihm was nicht passt. Und das herzlich ungeschminkt und ungefragt. Bekommt er den richtigen Impuls, lässt er jegliche Ökonomie sausen und redet ohne . und , drauflos, benutzt selten Leerzeichen zwischen einzelnen Worten und ist nicht mehr zu stoppen. Atmung entfällt. Ein liebenswerter Zeitgenosse also. Ich bin einer von ihnen – mein Taxifahrer allerdings auch.

Komme nach einer erfolgreichen Woche, quer durch die Republik, ziemlich abgekämpft Freitagabend kurz vor Mitternacht im Bahnhof Oberhausen an. Die DB hat mich wie so oft schmählich im Stich gelassen und für reichlich Verspätung gesorgt. Jetzt auf zum Taxi und ab nach Hause. Der Taxifahrer packt mein Koffergedöns ein und fährt los:

»Und?«

»Und wat?«

»Wohin?«

»Nach Hause!«

»Wo is dat?«

Gebe ihm die Adresse. Das Eis ist gebrochen.

»Urlaub?«

»Nee!«

»Arbeit?«

»Ja!«

»Montage?«

»Nee!«

»Wat’n dann?«

Will mir lange Erklärungen sparen und antworte mit Unternehmensberatung statt Organisationsentwicklung und Managementberatung. Böse Falle! Hätte bei Urlaub »ja« sagen sollen. Zu spät.

»WatsonArschbistduDathättichjanichtvondirgedachtMeinersterEindruckvondirwareinvölligandererGutdattichgefragthabe.«

»Hä? Wat is los?«

Hat er nicht gehört, redet einfach weiter.

»DerArschvon … hataucheineUnternehmensberatungreingeholtUndwatisdatEndevomLiedKuckdiran… watmitBabcockpassiertisArbeitsplätzewegdieZuliefererwartenheutenochaufihrGeldeinigemussten Konkursanmelden …«

»Und? Wat hab ich damit zu tun?«

Komme nicht mehr dazwischen. Er ledert weiter auf mich los. Erinnere mich an längst vergangene Zeiten, als meine Eltern mich mit schier endlosen Tiraden beglückten, wenn ich etwas angestellt hatte, von dem ich nicht mal ahnte, dass es Tiraden würdig war. Glücklicherweise fällt mir ein, wie ich damals reagiert hatte. Stelle meine Ohren auf Durchzug. Tue so, als ob es zwischen zwei Ohren keine Materie gibt. Links rein, rechts raus. Funktioniert nur teilweise. Den Inhalt seiner Worte höre ich nicht mehr, seine vorwurfsvolle Stimme schon. Kucke aus dem Seitenfenster gen Himmel und murmle leise vor mich hin: »Scotty, beam me up!«

Scotty antwortet nicht. Repariert sehr wahrscheinlich mit nem 9ner Schraubenschlüssel den Warp Antrieb. Den hätte ich jetzt gern. Is leider kaputt. Wenn ich einen brauche, funktioniert mal wieder keiner.

Nach gefühlt zehn Lichtjahren komme ich Zuhause an. Zahle schweigend. Der Taxifahrer schenkt mir zum Abschied noch ein: »So, jetzt weißte Bescheid!« hinterher und fährt los. Stehe mit meinem Koffergedöns vor unserem Haus und blicke etwas verloren in den Nachthimmel: »Scotty!!! Wenn ich sage beamen, dann meine ich auch beamen! Tu’s einfach!«

Scotty beamt mich in unser Gemäuer, dort angekommen begrüßt mich mein Schatz mit einem fröhlichen: »Na? Wie war dein Urlaub?«

Schaue ihr tief in die Augen und denke: Is ein Alien. Sage allerdings: »Von wegen Urlaub! Montage!«

Als ich ihr damals zum ersten Mal begegnete, dachte ich, sie is vom anderen Stern. Spätestens jetzt weiß ich es.

In diesem Sinne, falls mich jemand fragen sollte: Was arbeitest du? Ich bin derweil auf Montage.

Dieter Hetzel
Foto: Grant Lemons by unsplash.com

HR im Wandel auf Augenhöhe mit der Geschäftsführung

Die Transformation ist in den meisten Unternehmen zum Normalzustand geworden. Die Anforderungen der Märkte, neuer Technologien oder auch des demografischen Wandels erfordern kontinuierlichen Wandel. Im Grunde ist HR dafür der natürliche Ansprechpartner – denn es geht dabei immer um den Menschen. Und wenn Wandel scheitert, dann nahezu immer an den Befürchtungen und Vorbehalten der Menschen – nicht an mangelnden Plänen, Technik oder klugen Gedanken.

HR hat viele Aufgaben – und im Konzept des HR Business Partners (nach Dave Ulrich) sind diese Aufgaben zumindest in der Theorie bereits angelegt. Vom administrativen Experten über die Personalentwicklerin bis hin zum strategischen Partner und Change Agent (vgl. Grafik).

Quelle: Dave Ulrich Business Partner Modell (eigene Darstellung)

Das Problem: Die Personalabteilung wird nur in den wenigsten Unternehmen als kompetenter Partner für strategische Veränderungsprozesse wahrgenommen. Es überwiegt die Sichtweise, dass HR vor allem für die administrativen Belange wie Krankschreibungen, Urlaubsverwaltung und Rekrutierungen verantwortlich ist.

Doch HR kann mehr! HR kann zum kompetenten Transformation Partner der Geschäftsführung werden und einen erkennbaren Wertbeitrag im Wandel leisten.

HR in der Rolle des strategischen Transformation Partners

Damit HR – z.B. in der Rolle des Business Partners – die Führung auf Augenhöhe beraten kann, benötigt der Transformation Partner ein gewisses Standing gegenüber der Geschäftsleitung. Dieses Standing muss sie oder er sich häufig erst erarbeiten. Um auf Augenhöhe mit der Geschäftsleitung kommunizieren zu können, sollte der Transformation Partner eine Reihe von Kompetenzen mitbringen. Doch wie erreiche ich diese herausragende Position?

Die Herausforderungen für HR sind vielfältig:

    • Wie kann ich mir ein strategisches und systemisches Verständnis für Prozesse aneignen – und dies auch kommunizieren?
    • Wie spreche ich die Sprache des Managements?
    • Mit welchen Modellen kann ich strategisch argumentieren?
    • Wie kann ich die auftretenden Emotionen und Konflikten im Change managen?
    • Wie kann ich die Kultur des Unternehmens »lesen«?
    • Wie schaffe ich es, über die grundlegenden Verläufe von Veränderungsarchitekturen im Bilde zu sein?
    • Wie werde ich zum natürlichen Ansprechpartner und »Wissens-Broker« für alle den Change betreffenden Prozesse?
    • Wie kann ich mich innerhalb von Management-Meetings als Transformation Partner positionieren, um einen erkennbaren Wertbeitrag für die Transformation des Unternehmens leisten zu können?

Im Rahmen der bereits mit zahlreichen Teilnehmenden erfolgreich durchgeführten SYNNECTA-Ausbildung »Transformation Partner« beantworten wir diese Fragen. Durch unseren engen Kontakt mit größeren mittelständischen Kunden und Großunternehmen wissen wir, wo in den HR-Abteilungen der Schuh drückt – und wie HR als Transformation Partner einen echten Mehrwert in Veränderungsprozessen leisten kann.

Auf unserer Veranstaltung SYNNECTA-Tischrunde Transformation Partner am 15. Oktober 2019 in Köln diskutieren wir mit Ihnen Lösungen, wie Sie als interner HR-Profi in Ihrem Unternehmen den Wandel aktiv mitgestalten können.

Daniel Goetz

Mindset – unsere grundlegenden Annahmen

Grundthese

Jeder Mensch handelt aus einem individuellen Mindset [als Teil der Persönlichkeit]. Menschliche Gemeinschaften handeln aus einem kollektiven Mindset [als Teil der Kultur].

Was ist ein Mindset?

Das Mindset umfasst die persönliche bzw. gemeinschaftlich dominante Denkweise und Geisteshaltung sowie grundlegende Einstellungen, Überzeugungen und Glaubenssätze.

Warum ist das Mindset wichtig?

Das Mindset bedingt in hohem Maße Wahrnehmung, Gefühle, Denken, Entscheidungen und Verhalten und wirkt sich auf die Gestaltung von Beziehungen, auf die Gruppendynamik, -identität und Kultur aus.

Wie entsteht das Mindset?

Das individuelle Mindset entsteht im Laufe des Lebens und entwickelt sich fortlaufend weiter. Es wird geprägt durch Erziehung, den sozialen Kontext [Werte, Normen und Regeln sowie kollektives Mindset] und wird beeinflusst von Erfahrungen [Lernen]. Das kollektive Mindset entsteht, indem bestimmte Denkweisen, Einstellungen und Glaubensätze unbewusst weitergegeben werden [z.B. über Traditionen, gemeinschaftliche Rituale und Symbolsysteme].

Wann/warum soll man sich mit Mindset auseinandersetzen?

Das Mindset gestaltet Denk-, Entscheidungs- und Verhaltensspielräume, damit öffnet es Möglichkeiten und begrenzt Möglichkeiten.

Ist das Mindset veränderbar?

Das Mindset ist veränderbar. Reflektion, Bewusstmachung und die aktive Auseinandersetzung damit eröffnen Räume und Möglichkeiten der Bewegung und Entwicklung. Über das Bewegen des individuellen Mindsets kann das kollektive Mindset beeinflusst werden und umgekehrt.

Im Werkhaus19 haben wir uns intensiv mit dem Thema Mindset beschäftigt und werden auch in Zukunft weiter daran arbeiten, denken, schreiben.

StadtGestalten: Vielfalt in Köln. Rückblick zum Workshop am 28.5.2019

Diversity is more than we can see.

Was treibt uns an?

Köln behauptet gerne von sich, tolerant zu sein. Wie sieht die Zukunft aus, angesichts des wachsenden Rechtsdrucks und extremistischer Strömungen? In welcher Stadt wollen wir leben und wie gestalten wir die sogenannte Vielfalt in Köln?

Wir sind überzeugt, dass die Vielfalt in Köln besser »genutzt«, im Sinne von wahrgenommen, wertgeschätzt, sichtbar gemacht werden sollte. Positive Erlebnisse mit Unterschiedlichkeit und Andersheit lässt Menschen weniger feindlich oder mißgünstig sein. Allen Menschen sollten gute Erfahrungen mit Vielfalt ermöglicht werden, denn das steigert die eigene Offenheit und das Wohlbefinden – eine günstige Voraussetzung für eine freundliche und zugewandte Stimmung in der Stadt und in der ganzen Welt.

Eine heterogene Menschengruppe allein (etwa die »Menschen in Köln«) ermöglicht noch kein echtes Erleben der Vielfalt. Es braucht die Bereitschaft von Menschen und am besten auch einen Ort, an dem echte Dialoge und ein Kennenlernen ermöglicht werden. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten müssen erst einmal bewusst wahrgenommen und benannt werden. Deshalb haben wir zu StadtGestalten: Vielfalt in Köln eingeladen.

Wer war dabei?

Der Workshop fand statt zum Diversity-Tag am 28.5.2019, und wurde zusammen mit unseren Kooperationspartnern idm e.V. (internationale gesellschaft für diversity management e.V.) und dem WDR durchgeführt. Ort der Begegnung war das Café des LGBTQI Jugendzentrum anyway e.V. in Köln.

Menschen aus Köln, mit persönlichen, privaten, beruflichen Bezügen zu diversen non-profit und profit Organisationen, zu Kölner Initiativen und langjährig bestehenden Vereinen haben sich an dem Abend versammelt und sind miteinander in Kontakt gekommen.

Was haben wir gemacht?

Mit diesem Workshop laden wir ein, die vielbeschworene Toleranz von Köln ins echte Leben zu übersetzen. Uns geht es darum, sich Fragen zu stellen und gemeinsam Antworten zu finden. Wie sichern wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Was hat die eigene Haltung damit zu tun? Wie kann ich gesellschaftlich verantwortungsvolles Handeln in Beruf und Alltag einfließen lassen? Wie präge ich demokratische Werte und eine humanistische Stimmung in der Stadt?

Zwar ist Vielfalt ein realer Zustand, der Umgang damit muss gelernt werden. Zu oft sind wir im Schubladendenken gefangen, und das kann zu Missverständnissen und Diskriminierungen führen. Nötig ist eine aktive Auseinandersetzung mit Werten, anderen Lebenswelten, Identitäten, dem eigenen Fingerabdruck, der Wirksamkeit in gesellschaftlichen Prozessen. Was haben Unternehmen mit Diversity zu tun? Unternehmen und Organisationen sind Teil der Realität in dieser Stadt, und Menschen gestalten auch innerhalb von Unternehmen und Organisationen ihr Leben und ihren beruflichen Alltag. Deshalb ist es strukturelle Aufgabe und Verantwortung, sich dieses Themas anzunehmen.

Im Workshop legen wir Wert darauf, den Moment der »Bewertungen« bewusst zu machen. Die Verschiedenheit zwischen uns Menschen existiert nicht als beliebiges Nebeneinander, sondern sie unterliegt Bewertungen, die in Zusammenhang mit Privilegierung und Benachteiligung von gesellschaftlichen Gruppen entstehen. Es ist kein persönliches Fehlurteil, es geht nicht um die Schuldfrage, sondern um gelerntes Verhalten – dies bitten wir zu »verlernen«, um Vorurteile abzubauen und sich auf Basis der eigenen priviligierten Machtposition weniger über andere zu ermächtigen.

Soweit die theoretische Idee. Eine Möglichkeit, dies in den eigenen Alltag zu übersetzen, ist recht simpel: Stelle einem Menschen, den du (noch) nicht so gut kennst, eine Frage, um ihn oder sie besser kennenzulernen. Schaue ihm oder ihr in die Augen. Nimm sie oder ihn »einfach« wahr, werte nicht ab.

Einige Stimmen aus den Social Media Kanälen:

»Es war eine inspirierende Erfahrung und ein Austausch der mich beschenkt in den Abend entlassen hat. Mehr davon! Danke an alle.«

»Es ist einfach immer gut mit Euch zusammen etwas zu machen! Vielen Dank!«

»SYNNECTA kann Menschen. Und Diversity!«

Wir treffen uns auch in Zukunft und laden weiterhin alle Menschen in Köln ein, sich mit diesen Fragen und vor allem Antworten auseinanderzusetzen. Wer sich dafür interessiert, schreibe gerne eine E-Mail an Hanna Göhler (Beraterin bei SYNNECTA): diversity@synnecta.com.

Hanna Göhler
Foto: Marius Steffen